Mach doch einfach

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Leben Self-Publishing 7 Kommentare

Wenn ich so durch die Foren surfe und die Fragen lese, die dort zum Selfpublishing gestellt werden, dann bin ich das eine oder andere Mal recht überrascht. In vielen Fragen schwingt eine große Unsicherheit und manchmal gar Angst mit, einen verheerenden Fehler zu machen. Das Bedürfnis, sich umfassend zu informieren, ist verständlich. Doch wenn man sich durch die diversen Blogs liest, kann der Kopf schnell ins Qualmen geraten und Panik entstehen.


Es geht schließlich um mein Buch


Das eigene Buch. Kaum etwas ist persönlicher. Es muss einfach den optimalen Start ins Leben haben. Doch zu erwarten, dass man von Null auf Hundert alles richtig machen kann, ist utopisch. Da kann man noch so viel vorab lesen. Ich möchte daher allen, die vor ihrem Start ins Selfpublishing stehen, zurufen: »Keine Panik!« Es hilft, sich davon zu lösen, dass dieses eine Buch das entscheidende ist, und es danach nichts mehr gibt. Du kannst nämlich jeder Zeit ein Weiteres verfassen.

Fehler passieren


Ich kenne das gut. Ich neige sehr dazu, alles vorab bis ins Kleinste zu durchdenken. Aber das Schreiben und Veröffentlichen hat mich gelehrt, dass ich sowieso niemals wirklich alles bedenken kann. Ich habe in der Vergangenheit Unmengen an Fehlern gemacht. Meine ersten Impressen waren definitiv nicht korrekt. Ich habe sogar schon mal fast gegen die Preisbindung verstoßen ( Siehe Wie mich die Buchpreisbindung-ausbremste). Auch war die Veröffentlichung meiner ersten Bücher nach heutigen Maßstäben absolut nicht optimal vorbereitet. Aber bei allen Fehlern, die ich gemacht habe, ist nie schlimmes geschehen. Ich habe vielleicht Geld für Marketing verbrannt oder meine Bücher haben nicht den Absatz gefunden, den sie hätten schaffen können. Dies mag sein. Aber wie man aus dem Leben weiß, kann man nur aus Fehlern lernen. Sie gehören einfach dazu.

Selfpublishing ist ganz einfach


Genau betrachtet ist Selfpublishing nämlich gar nicht kompliziert. Du schreibst ein wundervolles Buch, im besten Fall mit professionellem Cover und Lektorat, lädst alles bei einem Dienstleister hoch und losgeht’s.
Es gibt vielleicht bessere Dienstleister? Wenn juckt’s? Ob du mit dem ersten Buch nun € 1,70 oder € 1,30 pro Stück verdienst, ist doch völlig unerheblich. Dein Buch ist nicht in Buxtehude oder sonst wo im Buchladen erhältlich? Das interessiert wahrscheinlich niemanden in Buxtehude. Wichtig ist nur, dein Buch ist da. Du hast es auf deinem E-Reader oder hältst es in Händen. Du kannst deiner Mutter und deinen Freunden davon erzählen. Das ist ein enormer Schritt. Lass ihn dir nicht nehmen, weil du alles perfekt machen willst. Das geht nämlich nicht.

Verfange nicht in der Komplexitätsfalle


Wenn man zu intensiv über etwas nachdenkt, wird es im Regelfall immer komplexer, weil einem immer mehr Dinge auffallen, die auch noch bedacht werden wollen. Am Ende ist die Idee zerstört. Dabei stellt man oft fest, dass viele der vorher bedachten Probleme gar nicht eintreten, wenn man den Weg begonnen hat.
Nicht dass wir uns missverstehen: Ich plädiere nicht dafür, alle Zweifel außer Acht zu lassen und sich vorweg überhaupt nicht zu informieren. Aber übertreibe es nicht. Glaube mir, du kannst im Selfpublishing absolut keinen Fehler machen, der nicht zu reparieren wäre. Das Schlimmste, das passieren kann, ist, dass dein Buch vielleicht nicht ganz optimal läuft. Aber, wie gesagt, dann schreibst du einfach das Nächste und machst es besser.

Chancen entstehen, wenn man losgeht


Mein erstes Buch habe ich nie richtig veröffentlicht. Ich wollte es damals perfekt machen. Habe wochenlang recherchiert, was ich tun muss, um einen Verlag zu finden. Ich bin es generalstabsmäßig angegangen. Ein halbes Jahr habe ich mich intensiv damit beschäftigt, um schließlich frustriert festzustellen, dass alle meine Bemühungen völlig fruchtlos waren. Dann habe ich mich von den großen Träumen verabschiedet, die ich mit diesem einen Buch verbunden hatte, und habe einfach aus Spaß ein zweites geschrieben. Ich habe es ohne große Gedanken hochgeladen und plötzlich entwickelten sich die Dinge. Ich bin losgegangen und viele Türen haben sich geöffnet. Das erste Buch habe ich mit der Zeit fast vergessen. Jetzt, sechs Jahre danach, wird es höchstwahrscheinlich veröffentlicht. Voraussichtlich im Herbst. Mehr dazu, wenn es spruchreif ist.
Aber es wäre nie soweit gekommen, wenn ich nicht einfach losgegangen wäre. Daher rate ich dir: Mach es einfach!

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7 Kommentare Mach doch einfach
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  • Auf den Punkt gebracht

    "Einfach machen", dass gefällt mir. Danke für diesen schönen Artikel, der mich in meinem Vorhaben bestärkt, ein Kinderbuch zu schreiben und selbst zu veröffentlichen. Ich denke auch, man muss einfach machen. Vorbereitung ist gut. Aber man kann sich auch so lange auf alle Eventualitäten vorbereiten, bis am Ende nichts mehr heraus kommt. Mal schauen wie weit ich mit meiner Einstellung komme, noch halte ich mein Buch nicht in Händen.

    Liebe Grüße, Christian

  • Macht Mut

    Stimmt, man macht im Selfpublishing am Anfang vieles falsch, aber wunderbarerweise mit einigermaßen gesundem Menschenverstand auch vieles richtig. Danke für diesen Text, Vera - ich hätte ihn mir schon vor einigen Monaten gewünscht, als ich mir nicht sicher war, ob ich's wagen wollte. Man braucht nur etwas Mut, der Rest funktioniert irgendwie. Und es gibt immer noch eine Menge Leser, die bereit sind, sich auf unbekannte Autoren einzulassen - auch, wenn sie keinen Verlag haben. Kleiner Widerspruch: Egal ist es nicht, wieviel man mit dem ersten Roman verdient, man will ja noch weitere Bücher schreiben. Da hilft es, wenn ein paar Euro zusammenkommen.

    • Macht Mut

      Liebe Anke,

      natürlich möchte man Geld einnehmen. Ob es dabei auf die paar Cent Unterschied zwischen den Portalen ankommt, glaube ich aber nicht. Zudem ist es nicht sehr wahrscheinlich, mit dem ersten Buch gleich den Hit zu landen. Man sollte es zu Beginn eher als Hobby sehen, bei dem man auch erstmal investiert. Das macht einen freier.

      Herzlichen Gruß,

      Vera

    • Perfekte Unterstützung

      Danke liebe Vera für diese Mutmachung, die genau zur rechten Zeit kam, da ich gerade am Erstling schreibe. Habe mich die letzten Tage ins Self-publishing eingelesen, und Dein Blog ist nun wie das Sahnehäubchen auf all die (teils widersprüchlichen) Fakten. Ich bleibe Dir als Leserin erhalten!

      Liebe Grüße von Lotta