Wie der Buchhandel an dein Buch kommt

Wie der Buchhandel an dein Buch kommt
Buchhandel Self-Publishing 4 Kommentare

Die Strukturen im deutschsprachigen Buchhandel sind ziemlich starr und es herrscht oft Unkenntnis darüber, wie die einzelnen Teile des Prozesses ineinandergreifen. Da aber ein großer Teil der Selfpublisher Wert darauf legt, dass sein Buch im klassischen Buchhandel erhältlich ist, möchte ich im Folgenden die einzelnen Faktoren noch einmal detailliert ausführen.


E-Book ist anders und wieder nicht


Grundsätzlich werden E-Books wie gedruckte Bücher oder auch Hörbücher behandelt. Da aber beim E-Book keine Waren versendet werden müssen, unterscheiden sich das Handling und die Lieferkette zum gedruckten Buch. Meine Erläuterungen beziehen sich daher auf das komplexere Vorgehen beim gedruckten Buch.

Schritt 1: Die ISBN


Der ISBN-Shop

Die verschiedenen Angebote im ISBN-Shop.

Damit ein Buch im Handel erhältlich sein kann, benötigt es eine ISBN. Wenn man beispielsweise CreateSpace oder Amazon KDP Print zum Druck seines Buches verwendet, wird dort auch eine ISBN vergeben, allerdings ist dies eine amerikanische ISBN, die zudem Amazon gehört. Um aber im deutschen Buchhandel verfügbar zu sein, benötigt das Buch eine deutsche ISBN. Es gibt zwei Wege, diese zu bekommen.
  1. Man veröffentlicht sein Buch über einen Komplettanbieter, wie BoD oder epubli.
    Die ISBN gehört dann dem jeweiligen Anbieter.
  2. Man erwirbt selbst die ISBN.
    In dem Fall gehört einem selbst die ISBN. ISBN erwerben kann man bei der ISBN Agentur.

Schritt 2: Das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB)


Beispieleintrag im VLB

Beispieleintrag im VLB, abgefragt auf buchhandel.de

Wenn das Buch über eine deutsche ISBN verfügt, dann kann man es ins Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) eintragen. Die o.g. Komplettanbieter erledigen dies ebenfalls für dich, werden dann aber auch als Verlag zum Buch genannt. Hast du deine ISBN selbst erworben, kannst du dein Buch selbst eintragen und wirst als Verlag genannt. Das VLB kostet eine Jahresgebühr, die abhängig ist vom Umfang der gepflegten Daten und eine Anzahl eine Bucheinträgen abdeckt. Mindestgebühr ist € 69,- und entspricht 25 Bucheinträgen. Für Selfpublisher sollte dies also eine Zeit lang ausreichend sein.
Hinweis: Im VLB gelistete Bücher werden automatisch auch bei Amazon aufgeführt. Was geschieht, wenn es dann dort jemand bestellt, habe ich allerdings noch nicht ausprobiert.

Ob und wie dein Buch im VLB gelistet wird, kannst du über www.buchhandel.de abfragen.

Schritt 3: Das Barsortiment


Jährlich erscheinen 80.000 oder mehr Bücher. Kein Buchhändler kann sich diese alle auf Lager legen, um Kundenwünsche schnell zu befriedigen. Diese Aufgabe erfüllen die sog. Barsortimenter. Die wesentlichen Barsortimenter im deutschsprachigen Raum sind Libri, Koch, Neff & Volckmar (KNV) und Umbreit. Jeder Buchhändler wird von einem dieser Barsortimenter beliefert. Wenn man in einen Buchladen geht und nach einem Buch fragt, schaut der Buchhändler zuerst in die Liste seines Barsortimenters. Ist das Buch dort nicht vorhanden, hören viele bereits auf zu suchen. Die Listung im Barsortiment ist also essenziell für die Verfügbarkeit im Buchhandel.
Auch hier nehmen einem die Komplettanbieter Arbeit ab. Allerdings kooperiert nicht jeder Komplettanbieter mit allen Barsortimentern. BoD arbeitet beispielsweise nur mit Libri zusammen. Während epubli KNV und Umbreit beliefert. Über diese Anbieter verbreitete Bücher sind also nicht in allen Buchhandlungen erhältlich.Korrektur BoD beliefert alle genannten Barsortimente. Während epubli nur KNV und Umbreit beliefert. Über diesen Anbieter verbreitete Bücher sind also nicht in allen Buchhandlungen erhältlich.

Es besteht auch die Möglichkeit, eine eigene Liefervereinbarung mit den Barsortimentern zu schließen. Dann muss man aber auch das Handling komplett selbst übernehmen. Die Barsortimente erwarten Rabatte von 50% und mehr. Zudem haben Barsortimente ein Rückgaberecht.

Wird ein Buch im Barsortiment gelistet, erscheint es automatisch auch in den Online-Shops der angeschlossenen Händler, wie Thalia, Mayersche usw.

Mein Weg


Ich habe mittlerweile Vereinbarungen mit den genannten Barsortimentern und beliefere sie selbst. Um das gedruckte Buch auch auf Amazon ohne größeren Aufwand verfügbar zu machen, setze ich meine Bücher parallel bei CreateSpace bzw. neuerdings KDP Print ein und gebe ihnen die gleiche ISBN wie die von mir gedruckten Bücher. Dadurch führt Amazon beide Einträge (VLB und KDP) zusammen und beliefert die Kunden direkt. Dies erspart mir das Handling für die über Amazon bestellten Bücher.

Rein betriebswirtschaftlich betrachtet, wenn man Handling und Lagerung mit einberechnet, lohnt sich dieses Vorgehen wahrscheinlich nicht. Da ich aber die größte Zahl meiner gedruckten Bücher auf Lesungen etc. verkaufe, rechnet sich das Vorgehen derzeit für mich. (Siehe Das gedruckte Buch: Drucken lassen oder Komplettanbieter?) Sollte irgendwann mal ein Buch von mir in größeren Mengen im Buchhandel nachgefragt werden, komme ich sicher an meine Grenzen. Aber das Problem werde ich lösen, wenn es so weit ist.

Verfügbarkeit heißt noch nicht Sichtbarkeit


All diese Schritte führen dazu, dass dein Buch bestellbar ist, wenn ein Kunde in irgendeiner Buchhandlung nach ihm fragt. Ich habe es mir übrigens zur Angewohnheit gemacht, wann immer ich unterwegs bin, in eine Buchhandlung zu gehen und nach meinem Buch zu fragen. Allerdings ist mit all dem noch nicht erreicht, dass eine Buchhandlung dein Buch ausstellt. Dazu bedarf es viel mehr Anstrengung. (Siehe 13 Buchhandlungen an einem Tag) Verlage haben dafür Vertreter oder kontaktieren Buchhändler telefonisch. Teilweise werden Ausstellungsflächen im Handel von Verlagen gemietet. Da kann man als Autorin oder Autor kaum mithalten. Regionaler Bezug hilft, aktive Pressearbeit hilft. (Siehe Wie du dein Buch in die Presse bekommst) Auf jeden Fall ist dazu Engagement gefragt. Und natürlich auch ein Buch, dass dem Anspruch des Handels genügt und nicht gleich als Selfpublishing-Titel erkennbar ist. Aber das ist ein ganz anderes Thema.



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4 Kommentare Wie der Buchhandel an dein Buch kommt
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  • Barsortiment und Amazon

    Hallo, Vera, danke für den informativen und übersichtlichen Post! Eins möchte ich noch ergänzen: Sobald Du eine Vereinbarung z.B. mit libri hast, musst Du Dich nicht mehr darum kümmern, wie Amazon zu Deinen Büchern kommt. Du brauchst dann das Buch nicht mehr über CS bei Amazon verfügbar machen. Libri beliefert auch Amazon.

    Herzliche Grüße von Marianne.

    • Barsortiment und Amazon

      Liebe Marianne,

      das weiß ich. Aber die Belieferung über Libri ist für mich aufwendiger und die Marge ist geringer als bei CreateSpace/KDP Print. Daher bespiele ich diese parallel.

      Herzlichen Gruß,

      Vera

    • ISBN Nummer mehrfach verwenden

      Liebe Frau Nentwich,

      noch eine Anmerkung zur ISBN: Wenn Sie Ihre eigene ISBN Nummer mehrfach verwenden wollen, dann müssen Sie darauf achten, nicht mehrere 'Auflagen' mit der gleichen Nummer zu versehen. Solange Sie den gleichen Text im gleichen Buchformat mit gleicher Seitenzahl und gleichem Umschlag drucken lassen, ist alles in Ordnung. Wenn Sie aber z.B. bei Createspace und BoD unterschiedliche Buchformate (Länge x Breite) verwenden, dann brauchen Sie zwei ISBN-Nummern. Unterschiedliche Papierdicke / Dicke des Buchrückens ist dagegen kein Thema.

      • ISBN Nummer mehrfach verwenden

        Hallo Christian,

        danke für deine Anmerkung. die Amazon-Ausgabe unterscheidet sich nur marginal vom selbstgedruckten Exemplar. Da dies zudem auch nur Amazon betrifft und sonst nirgends in der deutschen Lieferkette auftaucht, gibt es keine Probleme bei gleicher ISBN.

        Herzlichen Gruß,

        Vera