Es regnet nicht in Romanen

Es regnet nicht in Romanen
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Im normalen Leben geschehen jeden Tag viele Dinge, an die wir uns gewöhnt haben und die wir gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Wir schauen zum Beispiel morgens nach, wie das Wetter wird und entscheiden danach, was wir anziehen. In unseren Landen kommt es durchaus öfter vor, dass das Wetter uns nicht begeistert. Es kommt auch öfter vor, dass es regnet. Doch in Romanen, die hier spielen, scheint es mir selten oder fast gar nicht zu regnen. Wie kommt das?


Ist doch egal, ob es regnet.


Ich habe natürlich keine empirische Untersuchung angestellt, wie oft es in Romanen regnet. Ich kann nur meine subjektive Wahrnehmung der Romane, die ich in letzter Zeit gelesen habe, zugrunde legen und dort hat es meiner Erinnerung nach nicht ein einziges Mal geregnet. Nicht, dass dies schlimm wäre. Ich frage mich nur, ob ich diese Dinge, wie das Wetter, in meinen Geschichten einbringen sollte. Sollte sich meine Figur am Morgen fragen, was sie anziehen oder welche Jacke sie nehmen sollte, genauso wie ich es tue? Sollte sie gelegentlich vom Regen überrascht werden, wie es mir schon öfter passiert ist? Mir fällt gerade ein, dass ich im letzten Krimi »Tote Bosse singen nicht« tatsächlich eine Szene habe, in der dies passiert. Das beantwortet gleich meine Frage.

Es regnet, wenn es die Geschichte weiterbringt.


Romane sollten generell nur die Dinge beschreiben, die der Geschichte weiterhelfen. Es muss also eine Bedeutung für die handelnden Figuren haben. Ich empfinde dies aber auch als eine Art Gratwanderung zwischen dem Bedürfnis, einer Geschichte dem Anschein von Authentizität zu geben und der Anforderung, dicht zu erzählen. Mir fällt es gelegentlich schwer, dies zu entscheiden. Spätestens, wenn meine Lektorin dann vorschlägt, Dinge zu streichen, fällt mir dies auf. Dabei ist nicht nur das Wetter ein Thema.

Gibt es Feiertage in Romanen?


Ich spreche jetzt nicht von so großen Feiertagen, wie Weihnachten oder Ostern. Nein, ich meine diese kleinen Feiertage, an die man meist erst denkt, wenn sie eintreffen. Mir fällt dies gelegentlich auf, weil ich den Zeitstrahl in Papyrus Autor liebe. Zu Beginn jedes Projektes lege ich fest, an welchem Tag die Geschichte beginnt. Meine Biene-Hagen-Krimireihe spielt ja an einem realen Ort zur realen Zeit. In meinem aktuellen Projekt beginnt die Geschichte am 1. Oktober 2018. Du kannst es dir schon denken, es kommt der 3. Oktober und der ist ein Feiertag. Nun wird das Startdatum der Handlung nirgends erwähnt. Es dient mir nur als Stütze, um die Handlung einzuordnen und einen Rahmen zu haben. Könnte ich daher diesen Feiertag einfach ignorieren?

Es muss einfach passen.


Ich gestehe, ich habe auch schon das imaginäre Startdatum in Nachhinein verschoben, weil es dann besser zu meiner angedachten Handlung passte. Doch zumeist sind solche realen Termine, wie Feiertage, aber auch die Wochenenden, Dinge, die mir Anregungen für meine Geschichte liefern. Ich kann überlegen, was ist am 3. Oktober 2018 in Grefrath, dem Ort meiner Handlung, geschehen und kann dies einbringen. Am Wochenende muss ich mich damit beschäftigen, was meine Figur dann tut und gebe ihr damit Authentizität.

Alles kann hilfreich sein, muss es aber nicht.


Das Fazit ist, dass sowohl das Wetter als auch Feiertage oder andere Dinge, nützlich sein können, um die Geschichte zu beleben. Wenn sie dies nicht tun, dann lasse ich sie eben unerwähnt. Aber manchmal kann so ein profanes Ereignis, wie ein prasselnder Regen, einer Geschichte ganz neue Impulse geben.

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2 Kommentare Es regnet nicht in Romanen
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  • Es regnet in Romanen, es schneit - aber Wetter ist eigentlich immer.

    Liebe Vera, ich weiß ja nicht, welche Romane du in der letzten Zeit so gelesen hast. In denen, die ich gelesen habe, kommt jede Art von Wetter vor - ganz oft schafft es schon auf der ersten Seite Atmosphäre.

    Ich erinnere mich an eine wilde Diskussion über die Übereinstimmung von Wetter und Gefühlen, was ich persönlich schrecklich finde, aber manchmal regnet es eben, wenn der Protagonist traurig ist und manchmal ist es auch umgekehrt. Jedenfalls spielt das Wetter in vielen Romanen, die ich kenne, eine fast genauso große Rolle, wie im wahren Leben. Unerträgliche Hitze, ein kräftiger Landregen, Nebelschleier usw. usf.

    • Es regnet in Romanen, es schneit - aber Wetter ist eigentlich immer.

      Lieber Mac,

      anscheinend habe ich in letzter Zeit tatsächlich eine besondere Gruppe von Büchern gelesen, in denen das Wetter nicht groß thematisiert wurde.

      Danke für deine Anmerkungen.

      Herzlichen Gruß

      Vera

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