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*Sie trägt einen roten Hut, der sitzt wie eine Ansage. Und sie lässt nicht locker, bis ein Fall aufgeklärt ist.*
Ich werde oft gefragt, wie ich auf Frau Appeldorn gekommen bin. Die ehrliche Antwort: Ich habe sie nicht erfunden. Ich habe sie aufgeschrieben. Sie hat ein reales Vorbild, eine Freundin, die viel zu früh verstorben ist. Die Figur ist eine Hommage an sie. Das erklärt vielleicht, warum mir Frau Appeldorn so wichtig ist und warum ich sie nicht glattschleife.
Eine Frau, die nicht auf das Abstellgleis gehört
Mareike Appeldorn ist Mitte Sechzig. Jahrzehntelang war sie Chefsekretärin, genauer gesagt: die rechte Hand des Seniorchefs bei Franz Julius GmbH & Co. Kein Beruf, bei dem man Kaffee kocht und Termine koordiniert, sondern einer, bei dem man versteht, wie Macht funktioniert, wie Informationen gesteuert werden und wann man mit wem wie spricht. Das Vorzimmer des Chefs ist kein Warteraum, es ist eine Schaltzentrale.
Dann stirbt der Senior. Und der Juniorchef, dieser gelackte Schnösel, bedankt sich für ihre Verdienste und legt ihr den Ruhestand nahe. Den sie sich schließlich verdient hätte.
Sie schüttelt den Kopf vor Abscheu, wenn sie daran denkt.
Verdient hätte sie, dass man ihr eine verantwortungsvolle Aufgabe gibt. Nicht, dass man sie auf das Abstellgleis schiebt.
Neugier als Lebenshaltung
Was Frau Appeldorn antreibt, ist keine Leidenschaft für Verbrechen. Es ist Neugier, gepaart mit einem tief verankerten Sinn dafür, dass die Dinge richtig laufen sollen. Wenn um sie herum etwas nicht stimmt, registriert sie es. Wenn jemand stirbt und die Wahrheit droht, unter den Tisch zu fallen, dann greift sie ein. Nicht weil sie Abenteuerlust hat, sondern weil sie es eben tut.
Der Kulturverein, dem sie nach ihrer unfreiwilligen Pensionierung beitritt, lenkt sie ab. Sie genießt es, wieder gebraucht zu werden, wieder etwas bewirken zu können. Aber die gelegentlichen Veranstaltungen kommen bei Weitem nicht an die Herausforderungen heran, denen sie sich im Berufsleben täglich gestellt hatte. Das spürt sie.
Die Ermittlung gibt ihr zurück, was der Ruhestand ihr weggenommen hat: die Möglichkeit, wirklich etwas zu tun.
Der rote Hut
Äußerlich ist Frau Appeldorn eine Erscheinung. Aufrechte Haltung. Maßgeschneiderter Blazer in Blau. Und dann dieser dunkelrote Hut, den sie einst auf einer Dienstreise mit ihrem Chef in einem kleinen Geschäft erworben hat und der sie seitdem stets begleitet. Er ist nicht Dekoration. Er ist Haltung.
An ihrer Seite ist in den meisten Fällen ihr Nachbar Alican Büyüktürk, pensionierter Universitätsprofessor, türkischstämmiger Wahl-Deutscher, mit zerknittertem Hemd und einer ruhigeren Art, die Welt zu betrachten. Er ist ihr intellektuelles Gegenüber. Er erdet sie, hinterfragt sie und bremst sie gelegentlich. Dass er das überhaupt wagt, sagt viel über ihn aus.
Ich höre es immer wieder: Manche Lesende empfinden Frau Appeldorn als übergriffig. Sie mischt sich ein. Sie setzt durch, was sie für richtig hält. Sie wartet nicht, bis jemand sie fragt.

Der neue Fall
Frau Appeldorn und die tote Diva
Jetzt erhältlich als E-Book und Taschenbuch.
Aber dann stellen wir uns kurz vor, derselbe Charakter wäre ein Mann.
Ein erfahrener, kluger Mann in den Sechzigern, der auf eigene Faust ermittelt, der anderen sagt, wie der Hase läuft, und der sich von Widerstand nicht aufhalten lässt. Der wäre ein Klassiker des Genres. Ein Hercule Poirot. Ein Columbo. Niemand würde von übergriffig sprechen. Man würde von Kompetenz sprechen.
Wenn eine ältere Frau das Gleiche tut, heißt es übergriffig. Das sagt mehr über unsere Erwartungen als über den Charakter.
Ich habe mich bewusst entschieden, Frau Appeldorn so zu belassen: selbstbewusst, direkt, manchmal unbequem. Nicht weil ich Konflikte mag, sondern weil ich finde, dass ältere Frauen in der Fiktion das Recht haben, Platz einzunehmen, ohne sich dauernd zu entschuldigen.
Das heißt nicht, dass sie fehlerlos ist. Büyüktürk sieht das auch so. Und er sagt es ihr. Diese Reibung ist Teil des Duos, kein Versehen.
Frau Appeldorn ist jemand, der zu früh aus einem Leben herausgedrängt wurde, das er noch nicht fertig gelebt hatte. Was sie daraus macht, entscheidet sie selbst. Das finde ich, seit ich die Reihe schreibe, nach wie vor richtig.

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