Vor dem Schreibstart: Wie ist der Pitch für mein Buch?

Jede Geschichte braucht einen Aufhänger. Etwas, dass die Handlung beginnen lässt. Mir geht es oft so, dass ich etwas sehe oder erlebe und dann denke »Oh, darüber sollte ich mal ein Buch schreiben«. Doch oft entpuppt sich dann diese Grundidee als nicht tragfähig genug, um daraus eine fesselnde Geschichte zu entwickeln. Daher versuche ich, aus einer solchen Grundidee immer erst den Pitch für die zukünftige Geschichte zu entwickeln. Und nur, wenn mir dies gelingt, tauche ich tiefer in das Projekt ein.

Was ist der Pitch?

Ein Pitch ist die Essenz der Geschichte. Der Satz, den du später antworten wirst, wenn man dich fragt, worum es in deinem Buch geht. Im Marketing nennt man etwas Vergleichbares den Unique Selling Point, kurz USP. Im Geschäftsleben musste ich lernen, mein Angebot in einem solchen Satz zusammenzufassen, um das Interesse bei potenziellen Kunden zu wecken. Man kennt dieses Beispiel, dass man im Aufzug den Vorstand eines wichtigen Unternehmens trifft und nur dreißig Sekunden Zeit hat, ihn zu interessieren. Der Pitch soll das Gleiche bei potenziellen Lesern erreichen. Auch hier hat man im Regelfall nur wenige Sekunden, um das Interesse zu wecken. Aber warum muss dieser Pitch als erstes stehen?

Der Pitch als erster Schritt

Jeder der später einen Hinweis zu deinem Buch sieht, sollte direkt so interessiert werden, dass er sich näher damit befassen und es im Idealfall kaufen möchte. Die Fokussierung auf einen bereits bestehenden Pitch hilft mir dabei, dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Natürlich kann sich ein anfänglich entwickelter Pitch noch ändern, aber dies sollte im Regelfall nur zur Verdichtung und weiteren Konkretisierung führen. Wenn das Gefühl entsteht, der Pitch wird durch den Fortgang der Geschichte aufgeweicht, dann sollte dies eine Warnung sein.
Genau diese Warnfunktion besteht nicht, wenn man versucht, den Pitch erst später zu entwickeln. Die Geschichte kann dann schon zu wenig auf den Kern konzentriert sein und es wird schwer, noch einen wirklich tragfähigen Pitch daraus zu extrahieren.

Wie komme ich zu meinem Pitch?

Bewusst schreibe ich hier von meinem Weg, den Pitch zu entwickeln. Denn ich denke, jeder hat seine eigene Herangehensweise. Für mich korreliert der Pitch immer mit der Motivation meiner Hauptfigur. Bei meinen Krimis »Tote Models nerven nur« und »Liebe vertagen, Mörder jagen« ist die Hauptfigur Biene Hagen keine klassische Ermittlerin. Im Gegenteil, sie ist Steuerfachangestellte. Also stellte sich für mich die Frage, wie kriege ich eine Steuerfachangestellte dazu, in einem Mordfall zu ermitteln? Wäre meine Hauptfigur ein Polizist oder ein Detektiv, wäre dies eine Selbstverständlichkeit. »Polizist ermittelt in einem Mordfall« ist daher kein so verlockender Pitch. »Steuerfachangestellte jagt einen Mörder« ist es dagegen schon eher. Der Polizist macht dies, weil es sein täglicher Job ist. Aber warum geht eine Steuerfachangestellte auf Mörderjagd?

Motivation der Hauptfigur ist Kern des Pitches

In »Tote Models nerven nur« macht sie dies, weil ihre Erzfeindin tot im Teich liegt und alle sie für die Mörderin halten. In »Liebe vertagen, Mörder jagen« geht sie auf Mörderjagd, weil es mit dem Sex in Paris nichts wird und ihr Ex-Freund in einem Mordfall verdächtigt wird. Daraus kann ich jeweils einen Pitch entwickeln.

»Steuerfachangestellte wird verdächtigt, ihre Erzfeindin umgebracht zu haben, und macht sich auf die Jagd nach dem wahren Mörder.«

»Die von Biene ersehnte heiße Liebesnacht in Paris wird nichts und Zuhause wird der Ex-Freund eines Mordes verdächtigt. Da muss sie zurück und dem Freund helfen.«

Die Idee mit dem besten Pitch wählen


Derzeit stehe ich wieder vor dem Start des nächsten Projekts. Die Leserinnen und Leser fordern, dass die Geschichte von Biene Hagen weitergeht. Es gibt viele Ideen, wie es weitergehen könnte. Aber ich konzentriere mich erst einmal darauf, welche dieser Ideen mir die griffigste Ausgangssituation und die stärkste Motivation für meine Hauptfigur bietet. Daraus erarbeite ich dann meinen ersten Pitch. Erst wenn der mich nach einigen Nächten darüber schlafen noch fesselt, dann lege ich mit dem Schreiben los. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass dann das Schreiben viel leichter von der Hand geht.
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